Was ihr wollt
nach Shakespeare

Kleine Arena im Tempodrom, Berlin
Premiere am 17. Juli 2012

Regie Dennis Krauß, Tristan Braun, Susanne Westenfelder 
Bühne & Kostüme Claus Althaus, Paul Bauer

18. JULI 2012 Birgit Schmalmack unter www.Hamburgtheater.de
ÜBERWINDUNG VON GRENZEN
Fast ein Dutzend Ständerglühbirnen beleuchten die rote Arena im Tempodrom. Sie sind vielseitig einsetzbar, mal als Kerzenersatz, mal als Mikrofon, mal als Rettungsanker, mal als Orientierungshilfe. Und die ist bitter nötig für die Protagonisten in der Verwechselungskomödie von Shakespeare „Was ihr wollt“. Der Zwilling Viola wird nach einem Schiffsunglück auf eine Insel gespült. Ihr Bruder Sebastian gilt als ertrunken. Viola verkleidet sich als Mann Cesario, um eine Stellung als Diener bei Orsino zu bekommen. Der ist in die Gräfin Olivia verliebt. Doch diese verguckt sich in den angeblichen Jungen Cesario. Viola wiederum in ihren Herrn. Erst als Sebastian auftaucht, naht das Happy-End. Das Regietrio aus Tristan Braun, Dennis Krauß und Susanne Westenfelder der Hanns Eisler Hochschule sprüht über vor Ideen um das Liebes- und Geschlechterverwirrspiel auf der Insel Illyrien. Sie wechseln so schnell zwischen den Geschlechtern, Rollen und Zeiten wie zwischen den Musikstilen. Mal dröhnt Pop aus dem Lautsprecher, dann erklingen elisabethanische Klänge und dann wieder Madonna aus dem Mund der Sopranistin. Die Sänger sind hier zugleich Schauspieler und die Regisseure springen lustig mit auf der Bühne herum. Einmal versucht sich Tristan Braun sogar als Ausdruckstänzer, wenn er als Malvolios Spiegelbild diesen in einem Selbstgespräch überredet, dass Olivia ihn so gerne in gelben Strumpfhosen sehen wolle. Aus der Besetzung der Olivia mit der Riesin Vera Maria Kremers, die sich ausgerechnet in die winzige Elif Aylin Süslü als vermeintlichem Cerasio verliebt, schlägt die Crew humoristisches Kapital. Georg Bochow glänzt als stimmgewaltiger Countertenor und vielseitiger Darsteller. Eine Arbeit des 2. Semesters Regie im Rahmen der 50. Musikwerkstatt, die von der Überwindung der Grenzen erzählte, diese auch auf die Regieeinfälle übertrug und dabei glänzend unterhielt.